Andy Daniel

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… im Interview

Wenn ich gerade keine Spiele erfinde, dann …

… arbeite ich als Ingenieur und designe Computerchips. Viele davon, die ich im Laufe meiner Karriere entworfen habe, landeten in Geräten, auf denen man Videospiele spielt, zum Beispiel der XBOX One von Microsoft, aber ich bin kein Gamer und war es auch nie. Seit einige Jahren fahre ich jedes Jahr zum „Burning Man“-Festival in der Wüste von Nevada. Dreimal habe ich dort auch große Kunstwerke für die Besucher entworfen. Eines davon war ein begehbares Puzzle, bei dem sich die Teile „bewegten“, wenn man vom einen zum anderen ging (sie wechselten die Farbe). Bei diesem Festival werden die Künstler nicht bezahlt, aber mir ist es nicht besonders wichtig, mit meinen Spielen Geld zu verdienen – mir geht es mehr darum, dass die Leute Spaß an meinen Kreationen haben, und um den kreativen Prozess an sich. Ich erfinde nicht nur Spiele, ich studiere und entwerfe außerdem auch noch Turnierformate. Dafür braucht man die gleiche Art von mathematischer Balance und Herbeiführung eines Ergebnisses wie für ein Spiel.

Meine erste Spielidee hatte ich, als …

… ich meinem Großvater dabei zuschaute, wie er mit seinen Kumpels jede Woche „Ultimó“ (ein traditionelles ungarisches Kartenspiel) spielte, als ich ungefähr sechs Jahre alt war. Bei diesem Spiel spielt man um Geld, aber sie benutzten nur Pfennige, also verstand ich schon damals, dass es ihnen hauptsächlich um die Kameradschaft ging. Das ungarische Kartendeck faszinierte mich. Es ist sehr ähnlich wie das deutsche 32-Karten-Deck. Ich hatte alle klassischen Brettspiele, die es damals gab, zum Beispiel Monopoly, Cluedo und Sorry, und die spielte ich ständig mit meinem kleinen Bruder. Wir erfanden eine einfache Variante für Sorry, bei der man zwei Karten zog, statt nur einer, und sich aussuchen konnte, in welcher Reihenfolge man sie spielte.

Das gefiel uns besser als die normalen Regeln. Als ich älter wurde, erklärte mein Vater mir „Black Jack“ und ich fing wieder an, mir eine „bessere“ Version auszudenken. Ungefähr 25 Jahre später wurde daraus das erste Spiel, das ich im Selbstverlag herausbrachte, „Stack 21“. Die meisten meiner Spiele basieren auf Mathematik, aber ich verstecke diese Basis gründlich. Neuen Spieleautoren empfehle ich oft, sich in die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung einzuarbeiten und die 3 wichtigsten Bestandteile jedes guten Spiels zu verstehen: Glück, Können und eingeschränkte Informationen.

Das würde ich gerne einmal in einem Spiel umsetzen:

Ich würde gerne einmal ein Spiel entwerfen, das einen Turniermodus für sehr große Gruppen hat. Logistisch kann man da heute mit Computern viel mehr machen als mit Menschen, aber das Spiel, das mir vorschwebt, wäre eines von der klassischen Sorte, bei der der Computer nur dafür zuständig wäre, für den Ablauf zu sorgen und Fehler zu vermeiden. Einen solchen Modus habe ich schon für eines meiner veröffentlichten Spiele entworfen und im Moment arbeite ich an einem Turniermodus für ein anderes meiner Spiele, das in einem großen Saal von Hunderten von Spielern gleichzeitig gespielt werden könnte und bei dem der Sieger nach ungefähr einer halben Stunde feststehen würde. Die Turniermechaniken an ein Event mit Spielern anzupassen, die das Spiel noch nicht kennen, ist eine viel größere Herausforderung, als es ursprünglich zu erfinden! (Ich stelle gerade fest, dass ein viel bekannterer Spieleautor als ich auf dieser Seite eine ganz ähnliche Antwort gegeben hat. Das nehme ich mal als Zeichen, dass an der Idee etwas dran ist …)

Auf ein langes Spielewochenende nehme ich auf jeden Fall mit:

Viele verschiedene Karten, Würfel, generische Marker, große Notizblöcke und Stifte. Anderen Menschen beim Spielen zuzuschauen ist die beste Methode, neue Spielideen zu entwickeln!

 

Mein größter Wunsch als Spieleautor:

Ich würde gern ein Spiel entwickeln, das in ein paar Generationen als Klassiker gefeiert wird. Mir würde es gefallen, wenn jemand mein neues Spiel sieht und glaubt, es wäre schon tausend Jahre alt, weil es so einfach ist und so viel Spaß macht, dass ganz klar ist, dass schon längst jemand auf diese Idee gekommen sein muss. Außerdem würde ich mir wünschen, einmal im Leben das „Spiel des Jahres“ zu gewinnen, auch wenn ich schon einige Preise für meine Spiele gewonnen habe.

(Andy Daniel, November 2020)

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