Was hat eigentlich ….

Wolfgang Kramer

… der Autor der 6 nimmt!-Reihe gemacht, bevor er Spiele erfand?

Als Autor aller Spiele der 6 nimmt!-Reihe sowie weiteren Klassikern wie Heimlich & Co. und HUGO – Das Schlossgespenst, haben wir Wolfgang Kramer zum 25-jährigen 6 nimmt!-Jubiläum auf den Zahn gefühlt: Erfahrt hier im Interview wie es dazu kam, dass er Spieleautor wurde und was er vorher gemacht hat. Sowie Hintergrundwissen zu seinen erfolgreichsten Spielen.


Was haben Sie eigentlich gemacht, bevor Sie Spieleautor wurden?

Ich war als Organisator in einem großen Industriebtrieb tätig und habe betriebliche Abläufe auf die Datenverarbeitung umgestellt. Später habe ich ein dezentrales Rechenzentrum mit 15 Mitarbeitern geleitet. 
Privat habe ich immer schon gerne gespielt und Spiele teilweise mit anderen Regeln versehen. Die so veränderten Spiele wurden in meinem Freundeskreis lieber als das Original gespielt. Dies hat mich motiviert, ein komplett neues Spiel zu erfinden. Dies wurde 1974 auf Anhieb verlegt. Der Spaß am Spielerfinden hatte mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spieleerfinden wurde zu meinem Hobby und jedes Jahr kam mindestens ein neues Spiel auf den Markt.

Wann wussten Sie, dass Sie Spieleautor werden möchten?

Nachdem 1986 und 1987 ein Spiel von mir (Heimlich & Co. und Auf Achse) die Auszeichnung „Spiel des Jahres“ erhielt, reifte in mir der Gedanke zu kündigen und ausschließlich vom Spieleerfinden zu leben. Meine Frau bestärkte mich in meinem Wunsch. 1989 wurde ich der erste hauptberufliche Spieleautor in Deutschland.

Wissen Sie noch, wie und wo Sie auf die Spielideen von 6 nimmt! & HUGO – Das Schlossgespenst gekommen sind?

Hugo das Schlossgespenst: Als Kind und Jugendlicher spielten wir öfters „Die Reise nach Jerusalem“. Seite 1985 versuchte ich daraus ein lustiges Familienspiel zu machen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen kam mir dann die Grundidee zu Hugo: Ein Gespenst jagt um Mitternacht Partygäste durch das Schloss. Deshalb hieß die Erstauflage des Spiels „Mitternachtsparty“ und das Gespenst hieß „Hugo“.

6 nimmt!: Als wir bei einem Grenzübertritt vom Zoll festgehalten und gefilzt wurden, kam mir die Idee, ein Spiel mit dem Titel „Heiße Ware“ zu erfinden. Neben den Gegenständen, die man tagtäglich benötigt, lagen im Koffer auch heiße Waren, die man selber nicht haben wollte und deshalb versuchte, sie den Mitspielern unterzujubeln. Die Koffer wanderten von einem Spieler zum anderen und wer mit dem 6. Gegenstand den Koffer vollmachte, musste ihn und damit auch die heiße Ware (= Minuspunkte) behalten. Aus den Koffern wurden dann später Reihen und das Weitergeben einer Reihe entfiel. Wer aber eine Reihe mit der 6. Karte voll belegte, musste die Reihe nehmen und erhielt dann Minuspunkte. Aus dem Titel „Heiße Ware“ wurde dann der Titel 6 nimmt!.

Denken Sie, Sie würden die Spiele heute 1:1 so veröffentlichen wie vor 25 bzw. 30 Jahren?

6 nimmt! würde ich genauso veröffentlichen. Bei Hugo bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich kann auch nicht sagen, wo ich ansetzen würde. Eigentlich gefällt mir alles an dem Spiel. Das Spiel ist jetzt seit 30 Jahren auf dem Markt und mit einer verkauften Stückzahl von knapp einer Million sehr erfolgreich.  Warum bin ich dann nicht 100prozentig zufrieden? Es ist ein „inneres Gefühl“ – was auch immer das ist – dass ich bei dem Spiel das Optimum noch nicht erreicht habe.

Wann haben Sie selbst die letzte 6 nimmt!– und HUGO – Das Schlossgespenst-Partie gespielt?

6 nimmt! spiele ich öfters, insbesondere jetzt, weil die Jubiläumsausgabe noch druckfrisch ist.
Meine Frau und ich leiten einen Kreis mit Senioren/innen, der sich mindestens einmal im Monat zum Spielen trifft und die beiden Spiele kommen öfters auf den Tisch.

Woran arbeiten Sie gerade?

Mit Vollgas arbeite ich an einem „6 nimmt-Brettspiel“, das im Herbst 2019 zum 30-jährigen Jubiläum verlegt werden soll. Es soll ein Highlight werden und zwei Spielversionen bieten.      

Was sind Ihre Lieblingsspiele?

Es sind immer die Spiele, an denen ich gerade arbeite.  

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?

Mit Spielen! Spielen ist für mich keine Arbeit, sondern ein Hobby. Mit meiner Frau gehe ich gerne in die Oper, ins Ballett, ins Konzert. Wir lesen gerne Bücher, schauen gerne Filme und Sportsendungen an. Uns interessiert alles, was mit Kunst zu tun hat, und wir diskutieren gerne mit Freunden. 

Ein anderes Interview mit Wolfgang Kramer findet ihr hier: www.amigo-spiele.de/wolfgang-kramer