Kambodscha-Reisebericht unseres AMIGOs Andreas

© Leonie Lutz
© Leonie Lutz

Hier berichtet unser AMIGO-Mitarbeiter Andreas über seine Eindrücke aus Kambodscha:

Als ich aus dem Flieger in Phnom Penh steige, habe ich ein eigenartiges Gefühl: Irgendwie wirkt alles wie schon mal gesehen. Die Lichter, die Aufschreie der Hupen, der Schmutz auf den Straßen. Ich sehe vierköpfige Familien, die sich auf einen Motorroller auf den Straßen drängen, ein Kleinkind ungesichert mit einem Arm am eigenen Körper geklemmt. Wir verlassen die Stadt und fahren aufs Land. Vorbei an Häusern, teilweise nur aus rostigem Wellblech, aber auch alte Tempel mit detailverliebten Verzierungen. Ich nehme einen Geruchsmix aus Hitze, Smog und Stall wahr und sehe Kinder, die am Straßenrand stehen und uns hinterherschauen.

Es ist das erste Mal, dass ich in Asien bin, das erste Mal, dass ich Tucktuck fahre, das erste Mal, dass ich ein Kinderdorf besuche – und wahrscheinlich sogar das erste Mal, dass ich Waisenkindern begegne. Kinder, deren Eltern gestorben sind und keine Familienangehörigen haben oder (wie ich finde) noch schlimmer: Kinder, die von ihren Eltern verstoßen oder verkauft wurden – weil sie sie nicht ernähren konnten oder der neue Ehepartner sie nicht annehmen wollte. Einige, nur ein paar, hatten das Glück, im Kinderdorf „Light of Hope“ Zuflucht zu finden, in das ich eine kleine Auswahl an Spielen mitgenommen habe. Neben Workshops und Projektarbeit sollen die Spiele den Kindern dort nicht nur ein wenig Zerstreuung bringen, sondern auch in den Unterricht eingebaut werden.

Ankunft im Kinderdorf

„Und, wie ist es für dich, die Kinder mit deinen Spielen zu sehen?“, flüstert mir Sheree Hughes, die Leiterin des Kinderdorfs zu, während im Hintergrund das vertraute Klingeln der Halli Galli-Glocken ertönt. Im ersten Moment bin ich etwas überfordert von Sherees Frage, denn ich erkenne – bis auf die Vorliebe für das Sitzen auf Böden statt an Tischen – keinen großen Unterschied zu spielenden Kindern in Deutschland. Und genau das ist es, was mir im Nachhinein Gänsehaut bereitet: Ich vergesse, dass ich in Kambodscha bin, ich vergesse die Schicksale, die diese lachenden Kinder tragen.

Ich erlebe viele solcher alltäglichen Momente der Freude, des Spaßes und der Ausgeglichenheit im Kinderdorf, bei denen ich mich zu Hause und sicher fühle. Ich spüre die Energie, die zwischen Tobi Vorwerk und den Kindern bei der Musik herrscht und den Raum erfüllt und beobachte die konzentrierte Kreativität beim Gestalten einer Klassenzimmerwand, die unsere Markenbotschafterin Leonie von MiniMenschlein.de organisiert hat. Ich sehe die funkelnde Begeisterung in den Augen der Kinder, als sie Davids Fußball-Freestyle-Tricks erst beobachten und dann nachmachen.

 

SpielendeKinder

Der Schlüsselmoment der ganzen Reise war für mich nur ein paar Stunden vor dem Abflug, als es zur Feier des Tages eine richtige Torte gab, mit weichem Teig, Marzipanfüllung und weißer, süßer Sahne. Ich hatte erwartet, die Kinder würden die Süßigkeit verschlingen und noch die Teller ablecken; steht nur einmal pro Woche Dessert auf dem Speiseplan. Keine Frage, dass nicht ein Krümel übrigbleiben würde. Doch stattdessen jagten sich die Kinder gegenseitig durch das Gelände und schmierten sich die Sahne gegenseitig in ihre (und unsere) Gesichter, und es entwickelte sich wahrhaftig eine richtige Tortenschlacht. Lange hat mich dieses Erlebnis begleitet, das mir so widersprüchlich vorkam im Vergleich zur ganzen Armut, die um das Kinderdorf schier alles beherrscht.

Dann ging es mir auf: Die Kinder im Kinderdorf haben die Möglichkeit, Kinder zu sein. Kinder, die wie unsere nicht um ihr Überleben kämpfen müssen, sondern einfach Flausen im Kopf haben. Im Spielen sind alle gleich, ob beim Spielen von Brettspielen, auf Tobis Gitarre, mit Leonies Farben oder Davids Fußball oder eben mit Torte. Dass diese Kinder einfach nur Kinder sein dürfen, ist in Kambodscha nicht selbstverständlich, denn „Light of Hope“ stellt eine Oase dar. Und bei meinem kurzen Besuch ist mir klargeworden, wie wenig es braucht, um diese Oase zu erhalten und sogar wachsen zu lassen.

Ich persönlich habe mich nach meiner Rückkehr aus Kambodscha dazu entschieden, bei CFI Internationale Kinderhilfe eine Patenschaft für eines dieser Kinder zu übernehmen. Aber ob langfristige Patenschaft oder Mikrospende von ein paar Euro, jeder Cent hilft: www.cfi-kinderhilfe.de/spenden

 

Einen ausführlichen Reisebericht von Bloggerin Leonie findet ihr auf www.MiniMenschlein.de/kambodscha

Tortenschlacht